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Luxuskörper - Backstage


  ........ Böser Rocker trifft bösen Popper
(13.05.2008 - Stuttgarter Nachrichten)

Luxuskörper – der Bandname klingt schräg genug, um im Ohr hängenzubleiben. Die Band Luxuskörper liebt das Spiel mit der Ironie.

Stuttgart - Sie heißen Brigitte, Ottilie, Sophie, Nathalie, Josephine, Gisela, Frieda, Heidi, Pauline – und vielleicht hat jede von ihnen einen Luxuskörper. Das weiß man nicht so genau, denn all diese Damen sind Lieder. Die Stuttgarter Band Luxuskörper hat das zu ihrem Konzept gemacht: Jedes ihrer Stücke trägt den Namen einer Frau, wobei im Text tatsächlich keine der Genannten vorkommt – ein ironisches Spiel mit dem Bandnamen. Luxuskörper – das klingt ein wenig exquisit, ein wenig provokant, ein wenig nach zeitgeistig entstelltem Wortschatz, also insgesamt schräg genug, um hängenzubleiben, im Ohr.

Natürlich wird die Band häufig gefragt, wie sie denn zu diesem Namen kam. Bassist Wolfgang Gruel hat deshalb auf diese Frage eine sorgfältig präparierte Antwort parat, die mindestens so ironisch ist, wie der Name seiner Band: "Eines Tages", sagt er, "hab ich in den Spiegel geschaut, und da ist mir der Name eingefallen."

Jetzt standen Luxuskörper in der Stuttgarter Lokalität Rosenau auf der Bühne; Brief Encounter, auch eine Band aus Stuttgart, hatten sie zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen. Es war das Comeback einer Band, die schon Ende der 90er Jahre entstanden ist und die sich für Jahre von der Stuttgarter Szene verabschiedet hatte – 2005 zogen sich die Luxuskörper zurück, in eine längere Suchphase, spielten nur noch sporadisch Konzerte.

Ein Grund dafür war der Weggang der Sängerin Aleksandra Jettic, ein anderer die grundlegende stilistische Kehrtwende, die sich schon zuvor angekündigt hatte. Luxuskörper betraten 1999 die Bühne. Wolfgang Gruel und Axel Krause, Schlagzeuger der Band und Spezialist für elektronische Klänge, waren sich schon früher begegnet. Damals allerdings zeichnete sich für die beiden eine Band ganz und gar nicht ab: "Wir fanden unseren Musikgeschmack gegenseitig voll schrecklich", erzählt Wolfgang.

Aber wie das Leben so spielt: Irgendwann begegneten sie sich wieder, als Praktikanten beim selben Unternehmen der IT-Branche, und schließlich zogen sie doch gemeinsam in den Proberaum – "Der böse Rocker und der böse Popper". Axel hatte zuvor mit der Band Exact Boygroup-Pop gemacht, Wolfgang hatte mit Check the Change Rock gespielt – und beide verspürten nun plötzlich Lust, ihren Wurzeln untreu zu werden.

Was dabei herauskam, das nannten sie in den 90ern "Lounge-Pop", und das roch ein wenig nach dem damals notorischen Trip-Hop. Eine wichtige Rolle spielte das "fünfte Bandmitglied", der Laptop, der bei Luxuskörper auch heute noch mit vorproduzierten Sounds den Keyboarder ersetzt. Alles andere hat sich gründlich geändert in den Jahren, in denen die Band stumm blieb: Aus dem Lounge-Pop wurde Tanzmusik, Gitarrenklänge, Funk, manchmal gar Ska, reichlich Anlass zur Bewegung. Der Luxuskörper verpuppte sich und flattert nun als giftig schillernder Schmetterling, als höchst sarkastische Party-Band mit einer neuen Sängerin umher.

Denn im Grunde sind viele der Songs, die da mit fröhlichem Gesang und lebhafter Melodik daherkommen, ziemlich gemein. Nicht jede der titelgebenden Frauen scheint bei den Musikern einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Der Luxuskörper wird mit Spott bedeckt: "Zu schön! Das hält keiner aus! Hilfe, ich muss hier raus!", singt Wolfgang Gruel im Stück, das "Brigitte" heißt und das die erste lange CD der Gruppe eröffnet. Bissig auch der Titel dieser CD, die die Band in den zurückliegenden Monaten im Stuttgarter Studio 77 aufgenommen hat: Sie heißt "Die Nächste bitte!", und damit ist wohl auch wieder eine dieser Frauen gemeint, mit Luxuskörper, möglicherweise. Aber es kommt noch härter, im Stück "Renate": "Ich wünsche dir Inkontinenz, die Pest, die Gicht und Impotenz" singt da eine hübsche Frauenstimme dem Verflossenen hinterher.

Mit solchen Wünschen verbreiten Luxuskörper seltsamerweise ziemlich gute Stimmung. Die Frauenstimme, die Übel heraufbeschwört, gehört Dorothee Götz, der Neuerwerbung bei Luxuskörper. Sie hat ihr Metier gelernt, studierte Jazzgesang und gehörte einst zu Herbholzheimers Bundesjazzorchester. Bekannt ist sie auch als Sängerin der A-cappela-Comedy- Truppe Salt Peanuts.

Die Gitarre bedient Holger Kuhn, Schlagzeuger Axel Krause kennt man in Stuttgart auch als Mitglied der Band Goldstaub. Die Selbstauskünfte, die das Quartett auf ihrer Website Luxuskörper.com geben, sollte man keinesfalls ernst nehmen. Schenkt man ihnen Glauben, haben alle vier Musiker eine ziemlich kriminelle Vergangenheit. Die Zukunft allerdings liegt noch vor ihnen – auch wenn die nächsten Konzerttermine von Luxuskörper noch nicht feststehen.

Aber der Sommer hat noch nicht begonnen, in Stuttgart.

Autor: Thomas Morawitzky

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